Frauenquote - Sinn oder Unsinn?

Frauenquote – Sinn oder Unsinn

Immer wieder kann man lesen, dass die Bundesregierung darüber nachdenkt, eine sogenannte Frauenquote gesetzlich zu verankern, die es Frauen erleichtern soll, Karriere zu machen. Mit dieser Quote könnten dann vor allem die großen Unternehmen und Konzerne praktisch gezwungen werden, einem gewissen Prozentsatz Frauen den Weg in die Führungsetagen zu ebnen. Viele halten eine solche Frauenquote für Unsinn, andere sind aber der Ansicht, dass es notwendig ist: Denn noch immer sind es vor allem Männer, die in führenden Positionen arbeiten.

Gesetzliche Frauenquote – Wirklich ein guter Weg?

Frauenquote - Sinn oder Unsinn?

Frauenquote - Sinn oder Unsinn?

Woran liegt es, dass so wenige Frauen in Deutschland Karriere machen? Es liegt nicht immer nur an den Männern, die verhindern, dass Frauen Karriere machen. In vielen Fällen sind es auch die Frauen selbst, die die eigene Karriere blockieren.

Wenige Frauen in Führungspositionen

Es liegt nicht an den fehlenden Kompetenzen der Frauen. Gerade die neuere Sozialforschung offenbart: Es sind Frauen – und nicht Männer – die ein Team besser leiten, konfliktlösungsorientierte Wege gehen und die Potenziale ihrer Mitarbeiter erkennen und fördern. Das ist optimales Führungsverhalten. Und dennoch wird diese Kompetenz eher einem Mann zugesprochen.

Frauen scheitern nicht an ihren Kompetenzen. Vielmehr scheint es, als ob sich die klassischen Verhaltenserwartungen noch immer in den Führungsetagen manifestieren. Gilt der Mann als rational, ist die Frau das emotionsgesteuerte Wesen. Geht der Mann in der Familie das Geld beschaffen, steht die Frau – als gute Ehefrau und Mutter – am heimischen Herd und umsorgt ihre Liebsten. Dieses Bild, dass es seit mehr als einem Jahrhundert in der Gesellschaft gibt, wird noch immer als Grundlage des täglichen Arbeitens erachtet. Männer waren schon immer in den Führungsetagen verankert, warum sollten sie diese Position jetzt aufgeben?

Frauenquote als Lösung?

Für diese gesellschaftliche Sichtweise wird die Frauenquote keine echte Lösung sein: Zwar würden mit einer solchen Frauenquote mehr Frauen den Sprung in die Führungsetagen schaffen. Ein echter Wandel in der Gesellschaft braucht jedoch Zeit und wird nicht gesetzlich erzwungen werden können. Und dennoch gibt es schon jetzt eine Tendenz, die das klassische Rollenverständnis bröckeln lässt.

Frauenquote obsolet – Es geht auch ohne

Immer mehr Frauen studieren wirtschaftswissenschaftliche und Ingenieursstudiengänge und leiten damit selbst einen Wandel ein: Zukünftig werden Unternehmen bei Neueinstellungen einem stetig wachsenden Frauenanteil entgegensehen. Damit steigen naturgemäß die Chancen, Frauen in Einstiegspositionen zu bevorzugen. Frauen absolvieren ihr Studium zudem nicht nur mit besseren Noten als ihre männlichen Kommilitonen. Nein, sie schöpfen auch aus dem größeren Pool an emotionaler Intelligenz. Soft Skills sind gerade die Argumente, die Frauen auf ihrer Seite haben.

Männer am Herd. Auch ohne Frauenquote

Eine zweite Bewegung unterstützt Frauen zusätzlich in ihren Bemühungen, die deutschen Chefetagen zu vereinnahmen: Immer mehr Männer entscheiden sich eine Auszeit für’s Kind zunehmen, am Herd zu stehen und für die Familie zu sorgen. Elternzeit bei Männern ist noch eine Seltenheit, doch das wird sie in Zukunft nicht mehr sein.

Kind oder Karriere – Die Frauenquote wird das nicht ändern

Und dennoch bleibt ein Problem: Weder biologisch, noch politisch wird man ändern können, dass nur Frauen Kinder bekommen können. Für viele Frauen heißt es daher noch immer: Kind oder Karriere. Wer sich für das Kind entscheidet, opfern seine Karriere. Entscheidet sich eine Frau für die Karriere, steht die Politik gleich vor dem nächsten Problem: Die Geburtenzahlen sind in Deutschland viel zu gering. Eine Frauenquote ist hier der falsche Weg: Nicht durch gesetzliche Karriereverordnungen wird man mehr Frauen in Führungspositionen etablieren können und gleichzeitig die Geburtenrate erhöhen.

Hier bedarf es eines Umdenkens bei den deutschen Unternehmen. Mehr Freistellungen, Kinderbetreuungsangebote und Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das wird die Aufgabe der nächsten Jahre. Vor allem die skandinavischen Länder sind hier schon viel weiter und es täte deutschen Unternehmen nicht schlecht, sich dort etwas abzuschauen. Doch so lange sich dieser Missstand nicht ändert, werden Frauen – mit oder ohne Frauenquote – schlechtere Chancen haben; Eine Studie der Universität Berlin hat belegt: Eine freie Stelle für einen Projektleiter wird zu 89%-iger Wahrscheinlichkeit mit einem Mann besetzt. Auch dann, wenn sich eine Frau um den Posten bemüht hat, die deutlich qualifizierter war als die männlichen Mitbewerber. Der Grund war stets derselbe: Frauen können Kinder bekommen, Männer nicht. Die Unternehmen befürchten stets, dass sich ihre Investionen nicht lohnen, falls die Frau – im Falle einer Schwangerschaft – für ein, zwei Jahre ausfällt.

Bild: andresrphotos, Photodune

Über Adrian

Adrian ist der Gründer des Ratgebers artikelwissen.info.