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Ist Google+ der Facebook-Killer?

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Facebook, das weltweit größte soziale Netzwerk mit knapp 750 Millionen Mitgliedern – davon kommen 20 Millionen Mitglieder aus Deutschland – hat Konkurrenz bekommen: Mit seinem Angebot Google+ versucht der Suchmaschinenriese Google Facebook die Marktführerschaft in den sozialen Netzwerken streitig zu machen. Ob das klappt, bleibt derzeit allerdings noch fraglich. Zwar macht Google mit Google+ vieles besser, aber eben nicht alles. Und Facebook hat noch immer für viele Nutzer seinen Reiz. Ein Blick ins Detail lohnt also und verrät, wo Google was besser macht und wo der Betreiber noch nachbessern kann und sollte.

Google+ macht vieles besser

Google hat aus Facebooks Fehlern der Vergangenheit gelernt. So wird an Facebook schon seit Beginn und auch heute noch kritisiert: Nachrichten, Statusupdates und Fotos werden – wenn man nicht aufpasst – mit allen virtuellen Facebook-Freunden geteilt. Da sieht dann zum Beispiel die Mutter die Bilder von der letzten ausschweifenden Party des Sohnes; Der Chef kann nachlesen, was seine Angestellte über ihn denkt; Und Schüler lesen mit, was ihre Lehrer so in der Freizeit tun. Das ist manchmal unangenehm, das verbaut ein anderes mal aber Karrierechancen oder sorgt für eine Entlassung. Und wenn es ganz schief geht, veranstaltet ein Teenager einen Geburtstag, bei dem nicht nur 50 Freunde, sondern tausende Menschen erscheinen. Solche Fälle sind zahlreich.

Google+: In Kreisen einsortiert

Google+ Circles

Google+ Circles

Google+ will hier vieles besser machen: Während man bei Facebook die eigenen Freunde nur kompliziert in verschiedene Listen einsortieren kann, basiert Google+ auf dem Prinzip der Freundeskreise. Fügt man eine Person bei Google+ hinzu, so muss dieser Kontakt dabei automatisch in einen Kreis, die sogenannten „Circles“ einsortiert werden. Das können etwa Gruppen wie „Familie“, „Arbeit“ oder „Uni“ sein. Durch dieses Einsortieren in Kreise – und das gleich zu Beginn der virtuellen Freundschaft – wird sichergestellt, dass nicht alle Gruppen, alle Informationen, Statusupdates und Fotos sehen können. Geheimnisse werden dann nicht mit allen virtuellen Freunden geteilt.

Vor dem Update: Kreise auswählen

Diese sinnvolle Idee zieht sich nahtlos bei den Statusupdates weiter. Bevor man diese veröffentlicht, wird man aufgefordert diejenigen Kreise auszuwählen, die die Nachricht lesen dürfen. Das kann ein „Circle“ sein, das können mehrere „Circles“ sein, das kann aber auch öffentlich sein. Je nach Art und Brisanz des Inhalts kann der Nutzer damit genau festlegen, wer seiner Freunde was sehen darf. Die Auswahl der Kreise ist dabei so prägnant, dass sie vom Nutzer nicht übersehen werden kann. Das ist – wenn es nach etwas Eingewöhnungsphase aktiv genutzt wird – sicher und deutlich intuitiver als die komplizierten Listen bei Facebook.

Google+: Nach dem Prinzip twitter

Google+ – und das ist anders als bei Facebook – setzt bei Freundschaften auf das Prinzip twitter: Jeder darf erst einmal jedem folgen, Freundschaft muss nicht wechselseitig geschlossen werden. Das hat den Vorteil, dass auch Menschen im öffentlichen Nachrichtenstrom mitlesen können, mit denen der Verfasser dieser Updates eigentlich nicht befreundet ist. Der Schutz vor unbefugten Blicken bleibt dabei aber immer bestehen: Besteht eine Freundschaft nur einseitig – und nicht wie bei Facebook zwangsläufig reziprok – können nur öffentliche Nachrichten mitgelesen werden. Was an einen Kreis adressiert wird, bleibt auch in diesem Kreis.

Google+ – Vor der Webcam herumhängen

Google+ Hangout

Google+ Hangout

Mit „Hangout“ (aus dem Englischen, übersetzt: „abhängen“) hat Google+ gleich zu Beginn einen sehr innovativen Dienst mit eingeführt. Bei „Hangout“ können derzeit bis zu 10 Personen gleichzeitig  und miteinander Webcam-Chats durchführen. Und das in einer hübschen Darstellung, wie man sie nur von Apple erwartet hätte.

Videotelefonie gibt es – seit dem Start von Google+ – auch bei Facebook: Der von Microsoft geschluckte Videotelefonie-Anbieter Skype bietet diesen Dienst bei Facebook gratis an. Zum Hintergrund: Microsoft ist auch großer Teilhaber von Facebook, da war der Aufkauf von Skype durch Microsoft für Facebook ein netter Nebeneffekt. Der größte Nachteil der Videotelefonie bei Facebook allerdings: Während Google+ schon jetzt 10 Personen gleichzeitig in virtuellen Unterhaltungen zusammenführen kann (in Zukunft sollen das übrigens bald 20 Personen sein, die gleichzeitig mit einander videotelefonieren können), können bei Facebook maximal zwei Personen einen Videochat mit einander halten. Das ist etwas wenig.

Nachrichten? Fehlanzeige bei Google+

Auf Nachrichten allerdings verzichtet Google+ gänzlich. Anders als bei Facebook kann man keine Textchats führen, kann keine Nachrichten versenden. Google möchte hier, dass die Nutzer den hauseigenen Dienst Google Mail nutzen. Doch ist und bleibt Google Mail ein E-Mail-Dienst und wird niemals ein Nachrichtendienst für Google+. Zwar kann man Statusupdates auch an einzelne Personen adressieren und nur die adressierten Personen können diese Nachrichten dann lesen und beantworten. Wirklich wichtige Gespräche sollte man über diese Möglichkeit aber nicht führen. Denn wie alle normalen Statusupdates verschwinden auch diese Nachrichten irgendwann im Daten-Nirvana. Das Fehlen der Nachrichten ist für viele Nutzer aber ein echter Nachteil.

Chatten auf dem Smartphone: Mit Google+ „Huddle“

Eine Ausnahme gibt es: Weil „Hangout“ auf den Smartphone Apps von Google nicht gibt, kann man dort über „Huddle“ mit Freunden und Verwandten chatten, die man auf Google+ in die eigenen Kreise eingeordnet hat. Der Chat kann dabei auch von mehreren – also ganz ähnlich wie bei „Hangout“ von mehreren Personen gleichzeitig genutzt werden.

Google+ als Facebook-Killer? Ein nicht so klares Nein

Derzeit ist Google+ noch kein wirklicher Facebook-Killer. Zwar macht der Dienst des Suchmaschinenriesen Google vieles besser als das soziale Netzwerk des Mark Zuckerberg. Aber Google+ fehlt derzeit wohl vor allem noch die Emotionalität: Auf Google+ tummeln sich derzeit vor allem noch Webentwickler und Programmierer, Technikfreaks und „early adopter“. Von den „Normalos“ – also Schülern, Teenager, Personen aus dem normalen Alltag – fehlt derzeit noch weitestgehend jede Spur. Google+ ist daher für viele Facebook-Nutzer noch vollkommen uninteressant. Aber genau das war auch bei Facebook anfangs der Fall. Entwickelt sich Google+ also noch ein wenig mehr in Richtung der normalen Internetuser, so könnte es für Facebook einmal gefährlich werden. Nur ist das noch Zukunftsmusik.

Google+: Für twitter gefährlich

Viel gefährlicher – und das spürt man etwa im deutschen Web schon jetzt – ist Google+ für den Nachrichtendienst twitter: Viele der einstmals aktiven Nutzer nutzen derzeit nur noch Google+. Und das hat gute Gründe: Google+ hat einen ähnlichen Funktionsumfang wie twitter, kann aber mehr. Das Einpflegen von Bildern und Videos ist bei Google+ kein Problem, Nachrichten lassen sich besser nur an bestimmte Personen weiterleiten.

Blogs leiden unter Google+

Und auch für Blogs könnte Google+ gefährlich werden: Viele einstige Blogger verteilen ihre Meinungen jetzt viel lieber auf Google+. Auch deshalb, weil die Mitleserschaft dort deutlich mehr Kommentare und Input/Feedback gibt.

Bessere Suchergebnisse mit Google+?

Google+ könnte für Google aber nicht nur der echte Einstieg – nach dem Scheitern von „wave“ und „buzz“ – in die Welt der sozialen Netzwerke sein. Viel wahrscheinlicher scheint derzeit auch, dass Google mit Google+ die Suchergebnisse der eigenen Suchmaschine verbessern wird. Dafür gibt es vor allem zwei Indizen.

Suchergebnisse mit +1 bewerten

Google veröffentlichte im April 2011 den „+1“-Button. Was anfangs noch als Aprilscherz eingeschätzt wurde, bekommt mit Google+ endlich eine Relevanz. Denn: Mit dem „+1“-Button können Webseitenbesucher und Google-Nutzer anzeigen, welche Suchergebnisse und Webseiten für sie hilfreich waren. Diese Empfehlungen werden dann auch im Google+-Profil veröffentlicht und könnten schon in naher Zukunft Google dabei helfen, die Suchergebnisse weiter zu verbessern.

Integrierte Nachrichten mit Google+ Sparks

Und noch an anderer Stelle setzt Google Inhalte aus dem Web bei Google+ ein: Bei „Sparks“ erhalten Google+Nutzer zu bestimmten Themen auf einen Klick aktuelle Nachrichten. Durch die Eingabe eines Suchwortes können Nutzer dann auch eigene Sparks anlegen und erhalten so auf einen Klick Nachrichten zu interessierenden Themen. Auch hieraus – der Relevanz bestimmter Themen und dem Klickverhalten der Nutzer – könnte Google in schon naher Zukunft wichtige Erkenntnisse für die Suchergebnisse gewinnen.

Die Zukunft von Google+ bleibt auf jeden Fall spannend. Es wird interessant sein, was sich Google in nächster Zeit noch für sein schon jetzt erfolgreiches soziales Netzwerk so ausdenken wird. Mit einigen Impulsen in die richtige Richtung, könnte Google+ Facebook den ersten Rang der sozialen Netzwerke streitig machen und ganz nebenbei auch die eigene Suchmaschine – denn damit verdient Google immer noch am meisten Geld – verbessern.

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Über Adrian

Adrian ist der Gründer des Ratgebers artikelwissen.info.