ungarischer Wein

Der ungarische Wein

ungarische Rebe

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Die ungarische Weingeschichte beginnt mit den Römern, die Pannonien im 1. Jahrhundert eroberten und zivilisierten. In Pannonien (im heutigen Transdanubien, d. h. westlich der Donau), waren die Bedingungen für Weinanbau sehr günstig, und diese edle Tradition blieb auch nach der römischen Zeit bis zur Landnahme der Ungarn im 9. Jahrhundert erhalten. Nach der Gründung des Königreichs Ungarn durch König Stephan I. und der Annahme des Christentums hatten es die Klöster übernommen, neben dem Glauben auch die Weinkultur zu verbreiten. So wurde Ungarn in den darauf folgenden 900 Jahren, Mitteleuropas bedeutendster Weinproduzent.

Nach dem Zusammenbruch des sowjetischen Systems, fand eine spektakuläre Wiedergeburt des ungarischen Weines statt. Zunächst taten sich anspruchsvolle, auf Qualität bedachte Kleinwinzer aus Villány, Szekszárd, Eger und Tokaj hervor. Den Kleinwinzern folgten bald ausländische und ungarische, fachliche und finanzielle Investoren, zuerst in Tokaj, dann auch in den übrige Weinregionen des Landes, die den ungarischen Wein wieder in die Weltspitze führten.

Es gibt in Ungarn 22 offizielle Weinregionen, aber es ist sachdienlicher größere Weinregionen hervorzuheben. Diese sechs größeren Weinregionen sind Folgende: Tokaj als selbständiges Ganzes mit Ungarns berühmtesten Wein, dem Tokaji Aszú; die südlichen, geschützten Hänge des Mátra- und Bükk-Gebirges; Nordtransdanubien; Südtransdanubien; der Balaton, zwischen den beiden; und letztendlich die Tiefebene.

Weingebiet Sopron

Bei Sopron, an der Osthängen der Alpen, müssen die Rebstöcke mehr Feuchtigkeit und weniger Sonne als anderswo im Land verkraften. Dafür sind die Winter im Schutz der Berge weniger streng – all diese Faktoren prägen den Charakter des Traubensaftes. Der Soproner ist der erste ungarische Wein, den man in Europa kennenlernte.

Die Rotweinerzeugung entwickelte sich in Ungarn zuerst in den Steinkellern der Soproner Patrizierhäuser. Und in dieser Gegend entstanden auch die Gepflogenheiten und Gesetze, dafür, wie Wein hergestellt und verkauft werden soll.

Soproner Blaufränkisch ist ein granatroter, vollmundiger, säurereicher, mäßig herber, rassiger Wein mit feinem Bukett. Er passt ausgezeichnet zu Gerichten mit Räucherfleisch, dessen Geschmack er, besonders wenn er mitgekocht wird, noch hervorhebt.

Weingebiet Badacsony-Somló

Somló

Der Wein vom kegelförmigen Berg Somló (Schomlau), der sein Feuer der Asche des erloschenen Vulkans verdankt, wurde einst höher gehandelt als der Tokajer. Die Herren des Hauses Habsburg wurden jahrhundertelang mit dem hiesigen Wein für die Hochzeitsnacht beliefert, da man glaubte, er fördere die Zeugung männlicher Nachfahren.

Von den einzelnen Hängen des Berges stammen verschiedene Weine, die jeweils aus acht bis zehn Rebsorten gekeltert werden und eine strahlende grünweiße oder goldgelbe Farbe sowie feine Säure aufweisen. Ihr wahrer Charakter entfaltet sich im mehrjährigen Reifeprozeß, prädestiniert sie also für die Lagerung.

Badacsony

ungarischer Wein

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Dieses landschaftlich reizvolle Weingebiet, das unter anderem Erzeugnisse von Ábrahámhegy, Szent György-hegy und Szigliget umfasst, wurde nach dem kastenförmigen Berg Badacsony benannt, der weithin erkennbar ist.
Die wichtigste Rebsorte der Region ist der Welschriesling (olaszrizling). Sein Wein wird im allgemeinen schon nach einem Jahr in Flaschen abgefüllt, damit er sein Bittermandel-Aroma bewahrt. Sein Alkoholgehalt ist mit 12,5 bis 13,5 Vol.-% recht hoch.

Die beliebte Szürkebarát-Rebe (Grauer Mönch) ist ein Abkömmling der französischen Pinot-Gris-Rebe, die in ihrer Heimat einen leichten, nicht edlen Wein hervorbringt. Am Badacsony werden ihre Trauben saftiger und ihr Most süßer. Sie ergibt einen aromatischen, feurigen, goldgelben Wein, dessen Alkoholgehalt zwischen 12,5 und 13,5 Vol.-% schwankt und der fast immer unvergorenen Zucker, so genannten Restzucker, enthält.

Eine weitere typische Reb- und Weinsorte von Badacsony ist der uralte, in Liedern besungene Kéknyelü (Blaustiel), der seinen Namen den bläulichen Blattstielen verdankt. Es handelt sich um einen gelblichgrünen, eleganten Wein mit 13,5 bis 14 Vol.-% Alkoholgehalt.

Weingebiet Balatonfüred-Csopak

Nach einem Gang durch die Weingärten von Csopak und Balatonfüred bedeckt roter Staub die Schuhe, ein Zeichen für Eisenoxide im vulkanischen Lehmboden, die dem Wein das spezifische Aroma verleihen. In dieser Gegend gedeiht der Welschriesling am besten. Seine Beeren liefern einen grünlich-weißen, würzigen Wein, der wie Reseda duftet und nach einigen Jahren des Reifens nach Pflaumen schmeckt. Obgleich beide über einen Alkoholgehalt von 12,5 bis 13,5 Vol.-% verfügen, unterscheiden sich die Welschrieslingsorten der beiden Orte doch in ihrem Charakter.

Weingebiet Etyek-Buda

Das Weinbaugebiet Etyek-Buda liegt zwischen dem südlichem Teil des Velence-Gebirges und Buda-Gebirges bis zur Hauptstadt Budapest hin. Seine größten Weintraubengebiete sind bei Etyek, wo Sekt guter Qualität und leichte Weißweine mit reduktiver Technologie erzeugt werden Die Weinbauer heben hier vor allem Sauvignon Blanc, Chardonnay, Grauen Mönch, Grünen Veltliner gern hervor.

Weingebiet Szekszárd

Szekszárd wird von sieben Hügeln umschlossen, auf denen, archäologischen Funden zufolge, bereits vor 2000 Jahren eine Rebkultur blühte. Die vor den Türken aus Dalmatien geflohenen Raizen brachten die Kadarka-Rebe mit. Den daraus gekelterten Wein transportierten sie fortan auf dem Wasserweg auch in fernere Teile Europas.

Der Rubinrote Szekszárder Kadarka duftet würzig und schmeckt angenehm weich und samtig.

Szekszárder Stierblut wird häufig aus einer Mischung von Blaufränkisch, Portugieser und Kadarka gekeltert.

Auch Franz Liszt (1811-1886) schwärmte für den Kadarka von Szekszárd, für den er die Stadt oft aufsuchte. Er schätzte diesen Wein so, dass er ihn sogar dem kränkelnden Papst Pius IX. sandte, der in seinem Dankesbrief bestätigte, dieses Getränk erhalte ihm seine Gesundheit und sein frohes Gemüt.

Weingebiet Villány

Weinfässer im Weinkeller

Weinkeller in Villány
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Ungarns südlichstes Weinbaugebiet verfügt über ideale Voraussetzungen. Vor allem die Rotweine sind hervorragend: granatrot, körperreich und aromatisch.

Von den Faktoren, die im Weinbau zum Erfolg führen, ist das Klima ein nicht zu unterschätzendes Element. Villány wird oft mit dem Attribut submediterran charakterisiert zu sein, was darauf hinweist, dass es Ungarns wärmste und sonnigste Weinregion ist.

Villány hat eine traditionelle Rebsorte: den Kékóportó (Blauer Portugieser), deren Wein angenehm und weich ist, intensiv fruchtig riecht, mit Laub- und Wildgeruch. Und trotz des niedrigen Tannin- und Säuregehalts ist er zu ergreifender Dicke fähig.

Die Villányer Weine gehören ohne jeden Zweifel zu den Mitgliedern der ungarischen Weinaristokratie. Die Besten unter ihnen weisen einen intensiven Sortencharakter aus, sind weit angelegt, mit mächtigem Körper, kompakter Struktur und gereiften Tanninen.

Weingebiet Eger

Am Fuße des Bükk-Gebirges liegt eine der schönsten und meist besuchtesten Städte Ungarns: Eger (Erlau). Ihre Anziehungspunkte sind neben den vielen Kunstdenkmälern und der historischen Vergangenheit ihre Weltberühmten Weine: Erlauer Stierblut und Erlauer Mädchentraube.

Erlauer Stierblut ist ein kräftiger und trockener Rotwein, der seine rubinrote Farbe den mitvergorenen Beerenhäuten verdankt. Er ist ein Verschnitt aus mehreren blauen Traubensorten: Als Grundlage dient Blaufränkisch, der mittlerweile die früher verwendete Kadarka-Traube (in Eger) ersetzt hat und dessen feine Blume mit größter fachmännischer Sorgfalt ausgebaut wird. Darüber hinaus tragen Cabernet und Portugieser, manchmal auch die Merlot-Traube zum einzigartigen Bukett des „Stierbluts“ bei.

Neben dem „Stierblut“ hat die Region noch andere hervorragende Weine zu bieten, darunter Erlauer Medoc noir und Erlauer Tramini. Besonders Erlauer Mädchentraube (Egri Leányka), ein ausgezeichneter Weißwein, verdient Beachtung. Die ungarische Rebsorte Leányka (Mädchen), die nur noch in dieser Gegend zu finden ist, reift früh und treibt Trauben mit hohem Zuckergehalt.

Weingebiet Tokaj-Hegyalja

„Vinum regum rex vinorum“ (Ludwig XIV) – „Wein der Könige, König der Weine“

Eine legendäre Weinregion mit dem ältesten Lagenklassifizierungssystem der Welt und der klassischen Verkörperung von dem, was die Franzosen „terroir“ nennen: die perfekte Kombination von Klima, Boden, Rebsorte und alttradierter Technik. Der vulkanische, zumeist lehmige Boden, das einzigartige Mikroklima, die labyrinthartigen Keller, das Erhalten Jahrhunderte alter Traditionen und die wichtigen Investitionen ergeben insgesamt einen der besten Weine der Welt.

Über Thomas Jacob

Thomas ist Redakteur des Ratgeber artikelwissen.info und er hat vor allem einen technischen Bezug. Er absolvierte ein Masterstudium im Bereich Telematik und schreibt aktuell neben dem Beruf für die Seite.