Immer wieder wird zu lange gezögert Hilfe zu rufen.

Herzinfarkt – wenn Zögern tödlich ist

Ganz gleich wie alt wir sind, es ist nie leicht den eigenen Eltern zu widersprechen. Aber es gibt Situationen, in denen sollten Sie stark sein und darauf bestehen, dass ein Arzt gerufen wird – auch wenn Ihre Mutter kein Aufhebens um sich machen möchte. Oder Ihr Vater schimpft, dass das alles völlig unnötig sei.

Vielleicht ist es ja auch Ihr Kollege, der während eines stressigen Tages über Schmerzen im Arm klagt, oder Ihre Kollegin.

 

Jedes Jahr sterben Menschen weil zu lange gezögert wurde den Notruf zu wählen. Aber was sind Anzeichen bei denen man nicht zögern sollte?

Herzerkrankungen zählen zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland.1 Jeder hat vermutlich schon mal etwas über die Symptome eines Herzinfarkts gehört oder gelesen, aber wie war das doch gleich nochmal?

 

Herzinfarkt

 

Immer wieder wird zu lange gezögert Hilfe zu rufen.

Immer wieder wird zu lange gezögert Hilfe zu rufen.
© capn madd matt – flickr.com

Bei einem Herzinfarkt sterben aufgrund von Durchblutungsstörungen Teile des Herzmuskels ab. Zwar sind die Zahlen der Tode bei einem akuten Herzinfarkt in Deutschland insgesamt seit Jahren rückläufig2, doch auch 2012 war es immer noch die zweithäufigste Todesursache.3

 

Beim Herzinfarkt denken viele automatisch an den gestressten, jähzornigen Manager, doch auch Frauen sind gefährdet. Bei ihnen meldet sich ein Herzinfarkt allerdings häufiger mit unspezifischen Symptomen4 an, als bei Männern. Dazu zählen:

 

  • Starke Kurzatmigkeit

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Beschwerden im Oberbauch

  • Gefühl von Enge oder Druck im Brustraum

Nun treten einige dieser Beschwerden häufig auf, ohne Vorboten eines Herzinfarktes zu sein. Daher gilt: falls eines oder mehrere dieser unspezifischen Symptome in zuvor noch nicht erlebtem Ausmaß auftreten, empfiehlt es sich, den Notarzt zu rufen, denn es könnte ein Herzinfarkt sein.5

Weitere Symptome, die bei beiden Geschlechtern auftreten, sind:

 

  • Starke Schmerzen im Brustraum, die in andere Körperregionen ausstrahlen können, z. B. in die Arme, den Oberbauch, zwischen die Schulterblätter oder in Hals und Kiefer

  • heftiger Druck / starkes Einschnürungsgefühl im Herzbereich (Gefühl „da sitzt jemand auf mir“)

  • heftiges Brennen

  • Angstschweiß mit kalter, fahler Haut

 

Und was ist zu tun, wenn diese Symptome vorliegen?

 

Zunächst einmal keine Panik, bleiben Sie ruhig.

Es ist gleich, ob Sie auf einer Familienfeier sind oder in der Oper, auch wenn die kranke Person keine Umstände machen möchte – beim Herzinfarkt zählt jede Minute. Warten Sie auf keinen Fall bis zum nächsten Morgen oder bis das Wochenende vorbei ist.

Im Zweifel muss es schnell gehen

Im Zweifel muss es schnell gehen
© wiesbaden112.de – flickr.com

Ganz gleich, ob Sie selbst von den Symptomen betroffen sind oder Sie jemandem helfen: fahren Sie nicht selbst ins Krankenhaus, Sie sind nicht schneller als der Rettungswagen. Sanitäter beginnen vor Ort sofort mit Rettungsmaßnahmen und haben einen Defibrillator dabei, der lebenswichtig sein kann.

Alle haben Scheu den Rettungsdienst zu rufen; viele Betroffene werden vorschlagen einfach abzuwarten, ob die Schmerzen nicht von alleine weggehen. Dies ist jedoch bei einem Herzinfarkt falsch.
Rufen Sie sofort die 112 an, äußern Sie den Verdacht auf Herzinfarkt, dann wird umgehend ein Rettungswagen geschickt werden, denn jede Minute zählt.
Legen Sie nicht auf! Das Gespräch beendet die Rettungsstelle! Nur so können Sie vermeiden, dass Sie vor Aufregung aufgelegt haben, bevor Sie gesagt haben, wo der Rettungswagen gebraucht wird.

Rufen Sie nicht den Hausarzt an oder den ärztlichen Notfalldienst, denn beide könnten ebenfalls nur die 112 anrufen und dadurch geht Zeit verloren. Der ärztliche Notfalldienst ist nicht der Notarzt, rufen Sie gleich die Notrufnummer 112 an.

Gerade weil einige Symptome des Herzinfarkts so unauffällig sind, kommt es jedes Jahr dazu, dass Menschen zu spät ins Krankenhaus kommen.

 

Vorsorge

 

Was kann ich tun um einem Herzinfarkt vorzubeugen?
Nun, es ist wie mit vielen Krankheiten – ein gesunder Lebensstil hilft.

Falls Sie rauchen, hören Sie damit auf. Selbst wenn Ihr Gewicht dadurch etwas ansteigen sollte, so reduziert sich trotzdem Ihr Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.
Übermäßiger Alkoholkonsum trägt auch nicht zu Ihrer Gesundheit bei.

Regelmäßige Bewegung – schon täglich eine halbe Stunde am Stück Spazierengehen wirkt positiv auf Ihren Körper.
Fahren Sie doch öfter mal mit dem Fahrrad statt mit dem Auto. Oder steigen Sie einfach eine U-Bahn Station früher aus, wenn Sie früh dran sind.
Binden Sie Bewegung in Ihren Alltag ein, steigen Sie z. B. einfach Treppen statt Aufzüge oder Rolltreppen zu nutzen.

Falsche Ernährung kann das Risiko auf einen Herzinfarkt erhöhen

Falsche Ernährung erhöht das Herzinfarktrisiko
© marsmet491 – flickr.com

Ernährung spielt natürlich auch eine Rolle. Versuchen Sie z. B. Salz in Ihrer Nahrung zu reduzieren. Essen Sie reichlich Obst und Gemüse, reduzieren Sie Fleisch und Fett. Das heißt nicht, dass Sie karge Nahrung zu sich nehmen müssen – die viel zitierte Mittelmeerdiät lässt grüßen.

Nicht zuletzt: Sie stecken in ihrem Körper. Mit all Ihren Launen und Gefühlen.

Auch Wutausbrüche steigern Ihr Risiko auf einen Herzinfarkt.6 Wenn Sie Ihrem Jähzorn regelmäßig freien Lauf lassen, wie wäre es dann mit neuen Wegen um mit ihm umzugehen? Sie könnten es z. B. mit autogenem Training, Yoga oder (falls Sie sich nicht ganz so gelenkig fühlen) Qi Gong versuchen. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, oftmals übernimmt sie einen großen Teil der Kosten. Diese Übungen helfen übrigens auch, wenn Sie Wut stets in sich hinein fressen.

Und falls es der schnellen Hilfe bedarf: nehmen Sie bei der nächsten Wutattacke mal einen Stift zwischen die Zähne. Das hebt Ihre Mundwinkel an und sorgt für ein (vermutlich zunächst etwas widerwilliges) Lächeln, doch auch dadurch werden in Ihrem Körper Glückshormone ausgeschüttet.7 Ein echtes Lächeln wirkt natürlich besser. Und am Besten ist natürlich ein echtes Lachen, denn wie heißt es schon im Volksmund: Lachen ist die beste Medizin.

 

Quellen

 

4: Die Symptome sind am 19.07.2014 dem Internetauftritt der Deutschen Herzstiftung entnommen. Dort finden Sie zahlreiche Informationen rund um die Themen Vorsorge, Behandlung und auch, was im Notfall zu tun ist. http://www.herzstiftung.de

6: Mostofsky, Elizabeth / Penner, Elizabeth Anne / Mittleman,Murray A. Outbursts of anger as a trigger of acute cardiovascular events: a systematic review and meta-analysis, European Heart Journal (2014) 35, S. 1404 ff.

7: Strack, Fritz / Martin, Leonard L. / Stepper, Sabine Inhibiting and Facilitating Conditions of the Human Smile: A Nonobstrusive Test of the Facial Feedback Hypothesis, Journal of Personality and Social Psycholgy (1998) 54: S. 768 ff.

Über nal

nal lebt in Berlin und schreibt als freie Autorin Beiträge für artikelwissen.info.