Garantie oder Gewährleistung

Gewährleistung oder Garantie?

Garantie oder Gewährleistung

Garantie oder Gewährleistung

Deutsche können – insbesondere bei Unterhaltungselektronik – darauf vertrauen, dass sie aufgrund von Gewährleistung und Garantie im Schadensfall schnell Ersatz oder Reparatur für ihr Gerät bekommen. Zu oft verwechseln viele Verbraucher dabei aber die Begriffe Garantie und Gewährleistung.

Auch wenn die Worte sehr ähnlich klingen, so sind beide Formen doch streng von einander zu trennen. Denn die Inhalte der jeweiligen Garantie oder Gewährleistung können mitunter sehr unterschiedlich sein.

Gewährleistung – Gesetzlich verordnet

Die Gewährleistung ist den Herstellern von Elektronik ebenso verordnet wie den Herstellern von Haushaltswaren wir Töpfe oder Küchenmaschinen.

Sie wurde vom Gesetzgeber eingeführt, um den Verbraucher vor Schäden zu schützen, die bereits bei der Herstellung entstanden sind. Und genau da liegt der Knackpunkt.

Schäden, die schon bei der Herstellung entstanden

Schäden, die bereits bei der Herstellung entstanden sein könnten, können vielfältig sein. Das Entscheidende: Gemeint sind solche Fehler, die der Verbraucher nicht feststellen konnten. Wenn also ein Notebook-Akku aufgrund schlechter Verarbeitung nach kurzer Zeit kaputt geht oder die Espressomaschine bereits nach kurzer Benutzung den Geist aufgibt, so geht der Gesetzgeber davon aus, dass der Fehler nicht vom Kunden verursacht wurde. In der Haftung ist dann der Hersteller und muss dementsprechend Ersatz oder Reparatur leisten.

Beweispflicht

Trotz dieser grundsätzlich guten Idee, war der Gesetzgeber in der Umsetzung aber nicht sehr vorausschauend.

2 Jahre – Das ist die Zeit in der jeder Kunde die gesetzliche Gewährleistung in Anspruch nehmen kann. Das klingt erst einmal lang, hat aber einen entscheidenden Haken: Während in den ersten 6 Monaten der Hersteller beweisen muss, dass ein Defekt durch falsche Bedienung entstanden ist und sich so von der Gewährleistungspflicht lossagen kann, hat diese Pflicht in den verbleibenden 18 Monaten der Verbraucher.

Geht ein Produkt also nach 7 Monaten kaputt, so muss der Benutzer dem Hersteller nachweisen können, dass der ausschlaggebende Fehler bereits beim Kauf vorhanden war und nicht entdeckt werden konnte. Diesen Nachweis wird aber kein Kunde erbringen können, bedürfte es in diesem Fall doch immer einem hieb- und stichfesten Gutachten, durch das weitere Kosten entstehen können.

Der Händler muss leisten

Richten müssen Sie sich mit Ihren Gewährleistungsansprüchen immer an den Händler, bei dem Sie das Produkt gekauft haben. Nie aber an den Hersteller direkt.

Der Händler muss dann entscheiden, ob er

  • der Defekt repariert
  • Ihr Gerät gegen ein gleichwertiges Produkt austauscht
  • Ihnen ein Neugerät zur Verfügung stellt
  • oder Ihnen den Barwert erstattet.

Diese Entscheidung darf allein der Händler treffen. Wünsche können Sie zwar äußern, diesen Wünschen muss der Händler aber nicht nachkommen.

Freiwillige Garantie

Von diesem Verfahren ist die Garantie der Hersteller grundverschieden. Denn die Garantie ist eine grundsätzlich freiwillige Leistung des Herstellers und dient oft der Verkaufsförderung. Diese freiwillige Garantie des Herstellers hat mit Ihren gesetzlichen Gewährleistungsrechten überhaupt nichts zutun.

Hersteller bestimmt Bedingungen

Weil die Garantie eine freiwillige Leistung des Herstellers ist, bestimmt dieser auch den Umfang einer solchen freiwilligen Garantie.

So kann der Hersteller zunächst die Laufzeit der Garantie bestimmen. Ob 2, 5 oder gar 10 Jahre Garantie, das ist allein die Entscheidung des Herstellers.

Doch bei der Laufzeit der Garantie endet die Befugnis des Herstellers noch lange nicht. So kann er auch über den Inhalt der Garantie entscheiden und festlegen, in welchem Umfang er Schäden am Gerät repariert und wie diese entstanden sein dürfen.

Kostenpflichtige Garantien

Verschiedenste Hersteller bieten zudem kostenpflichtige Garantien an. Die bekannteste dürfte dabei der „Apple Care Protection Plan“ des kalifornischen Compuerherstellers Apple sein. Durch die Zahlung einer Gebühr kann der Kunde dann den Umfang der Garantie erweitern.

An den Hersteller wenden

Um eine Garantie geltend zu machen, müssen Sie sich im Schadensfall dann aber auch direkt an den Hersteller wenden. Der Händler, bei dem Sie ein Produkt erworben haben, wird Ihnen nur in den seltesten Fällen helfen können.

Das Problem dabei ist jedoch: Verfügt der Hersteller nicht über ein großes Netz an Reparaturwerkstätten, so müssen Sie Ihr Gerät direkt zum Hersteller einsenden. Dieser muss das Gerät unter Umständen aber noch an eine Werkstatt weiterschicken. Manch ein Kunde berichtet daher dann schon einmal von mehrwöchigen Wartezeiten, nur um den Fehler feststellen zu lassen. Eine Reparatur oder ein Ersatz kann dann nochmals mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Vorgehen im Schadensfall

In einem Schadensfall sollten Sie sich innerhalb der ersten 6 Monate nach Kauf daher immer zunächst an den Händler wenden und dort Ihre gewährleistungsrechte einfordern. Lassen Sie sich bei dieser Forderung nie abwimmeln: Die Händler verweisen gern auf Garantien um sich von ihrer eigenen Verantwortung freizusprechen.

Sind jedoch bereits mehr als 6 Monate seit dem Kauf vergangen, sollten Sie sich mit Ihren Ansprüchen direkt an den Hersteller wenden, wenn der im Rahmen seiner Garantieversprechen den entstandenen Fehler zu beheben hat.

Bild: Quinn Dombrowski (flickr, Lizenz)

Über Adrian

Adrian ist der Gründer des Ratgebers artikelwissen.info.