Traumberuf Fotograf

Traumberuf Fotograf

Spätestens seit Sendungen wie „Germanys Next Topmodel“ (GNTM) wurde nicht nur das Modelleben glorifiziert. Auch ein anderer Beruf ist für viele junge Menschen in höhere Sphären gesetzt worden: Der Fotograf.

Fotograf scheint sich zu einem neuen Traumberuf für viele junge Menschen zu mausern. Wie aber überall im Leben werden die positiven Aspekte verstärkt wahrgenommen, die negativen Seiten des Berufs Fotograf aber vollkommen vernachlässigt.

Schuld daran sind falsche Vorstellungen und Präsentationen des Berufs Fotograf in Fernsehen, Internet und anderen Medien. Traumberuf Fotograf – Das klingt schön! Die Wahrheit zum Beruf Fotograf ist jedoch häufig eine andere. Eine viel ernstere, schwierigere und schwer kalkulierbare Wahrheit.

Traumberuf Fotograf: Billige Technik macht’s möglich

Doch nicht nur Sendungen wie „Germanys Next Topmodel“ sind Schuld an dem zunehmenden Wunsch vieler Jugendlicher und junger Erwachsenen, als Fotograf ihr Geld zu verdienen. Auch immer billiger werdende Elektronik tut ihren Teil.

Während eine digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) – Grundausstattung eines jeden Fotografen – noch vor wenigen Jahren ab ca. 1000,- EUR (inkl. Objektiv) zu erstehen war, so gibt es Einsteigermodelle jetzt bereits ab wenigen hundert Euro. Die Technik scheint erschwinglich. Doch was viele vergessen: Wer als Fotograf arbeiten will, der braucht nicht nur eine Kamera.

Zubehör ist teuer

Wer professionell als Fotograf seinen Lebensunterhalt verdienen will, der braucht noch einiges mehr, als bloß eine günstige Spiegelreflexkamera. Ist die DSLR auch für wenige hundert Euro zu haben, beim Zubehör wird’s richtig teuer.

So kostet ein guter und ausreichender mobiler Blitz schnell soviel wie eine neue Kamera. Gute und professionelle Objektive kosten je nach Brennweite, Blendenzahl und Ausstattung schnell deutlich mehr als eine neue Kamera.

Und richtig teuer wird es bei der Ausstattung für ein Fotostudio: Hintergrundpapiere, Blitze, Softboxen, Ventilatoren, etc. verschlingen Unmengen an Geld. Und all dieses Geld muss auch erst einmal verdient werden.

Fotografen sind selbstständig

Die meisten Fotografen sind selbstständig. Sie arbeiten demnach auf eigene Rechnung. Ein Fotograf muss sich also selbstständig um neue Aufträge kümmern (denn die kommen erst nach einigen Jahren und guten Referenzen von selbst), er muss Angebote und Rechnungen schreiben, er muss die Steuererklärung selbst machen, er muss Miete für’s Studio und die Ausstattung bezahlen; Als Selbstständiger einen Kredit zu bekommen ist auch nicht ohne Weiteres möglich. Ein Fotograf muss sich versichern und absichern und und und.

Allein das Betreiben der Selbstständigkeit bedarf schon viel Aufwand und Einsatz. Und dass man dann tatsächlich Topmodels überall auf der Welt fotografiert, ist längst noch nicht gesagt.

Die Selbstständigkeit hat zwei Voraussetzungen: Selbst und ständig. Das verlangt nicht nur das Finanzamt von jedem Fotografen. Das verlangt auch das Bestehen auf einem enorm schwierigen und überlaufenen Markt. Fotografen gibt es wie Sand am Meer. Um aus der Masse herauszustechen, braucht man als Fotograf vor allem eines: Eine kreative Ader.

Es fehlt an Kreativität

Um sich als Fotograf zu etablieren, reicht es oftmals nicht, das hundertste Fotostudio für Bewerbungs-, Hochzeits- und Aktfotos in der Innenstadt zu eröffnen. Zwar verdienen all diese Fotografen ausreichend Geld (wenn sie denn etabliert sind), die Arbeit ist jedoch oftmals sehr gleich und damit vielleicht ermüdend.

Spannender ist es, sich als Fotograf auf bestimmte Bereiche zu spezialisieren. Etwa in der Modefotografie oder aber der Kinderfotografie.
Um in diesen Bereichen jedoch Erfolg zu haben, muss man sich einen ganz eigenen Stil als Fotograf zulegen. Da reicht es dann nicht mehr, einfach nur Fotos zu machen oder andere Fotografen zu imitieren.

Hat man nicht ausreichend Kreativität im eigenen Blut stecken, so sollte man sich reichlich überlegen, ob man wirklich als Fotograf arbeiten möchte.

Grundwissen muss man lernen

Eine anderer weit verbreiteter Irrglaube ist der, dass man als Fotograf all das Schulwissen in Mathe, Physik und den anderen Naturwissenschaften vergessen kann. Vollkommen falsch, genau das Gegenteil ist der Fall!

Ist man etwa auf natürliches Licht angewiesen (Stichwort „Available Light Fotografie“), so muss der Fotograf in seinem Kopf blitzschnell die passende Kombination aus Brennweite, Blende und Belichtungszeit komponieren. In schwierigen Situationen hilft da keine Automatik der noch so guten Kamera, denn ein Computer misst immer anders, als Auge und Gehirn wahrnehmen.

Jeder Fotograf braucht deshalb fundiertes Wissen, dass sich nicht ausschließlich in der Praxis sammeln lässt.
Für jeden angehenden Fotografen heißt es deshalb auch: Schulbank drücken, Bücher wälzen, sich helfen lassen.

Traumberuf Fotograf – Wirklich?

Das Bild, dass Fernsehen und andere Medien vom Beruf Fotograf vermitteln, ist leider oftmals ein vollkommen falsches.
Fotografen haben häufig kein einfaches Leben Sie müssen um Aufträge kämpfen, sie müssen ihr Leben finanzieren, sie müssen hart arbeiten.

Nur aus den wenigsten Fotografen werden solche, die berühmt und reich werden.
All den Partyfotografen dieser Republik sei gesagt: Ihr werdet nicht automatisch zu Stars der Szene.
Und für den ein oder anderen sollte sich die Frage stellen, ob es nicht vielleicht doch bessere Alternativen zum Traumberuf Fotograf gibt.

Bild: Thibault Martin-Lagardette (flickr, Lizenz)

Über Adrian

Adrian ist der Gründer des Ratgebers artikelwissen.info.