Abgeltungsteuer auch bei Girokonto

Abgeltungsteuer auch beim Girokonto

Wer ein Girokonto führt, der weiß, dass die angebotenen Guthabenzinsen oft nicht üppig und keinefalls mit der Verzinsung eines Tagesgeldkontos vergleichbar sind. Und dennoch kann sich auch bei einer geringen Verzinsung und etwas Guthaben im Jahr schnell ein Zinseinkommen im dreistelligen Bereich ergeben. Was allerdings nur die wenigsten wissen: Auch bei Girokonten wird die Abgeltungsteuer fällig. 25% des Zinseinkommens sind somit pauschal an den Staat abzuführen.

Was ist die Abgeltungssteuer

Die Einkommensteuer für Einküfte aus Kapitalvermögen, die nicht unter §20 Absatz 8 fallen, beträgt 25%.

Abgeltungsteuer auch bei Girokonto

Abgeltungsteuer auch bei Girokonto

Die Abgeltungsteuer (AbgSt) ist ein alternativer Begriff für die Kapitalertragsteuer und als solche in §32d EStG („Einkommensteuergesetz“) geregelt. Wörtlich heißt es dort, dass auf Einkünfte aus Kapitalvermögen – also auch auf das Guthaben auf einem Girokonto – pauschal 25% Steuer anfallen. Der Gesetzgeber sieht in dieser Norm viele Ausnahmen und Einzelvorschriften vor, die für die meisten Personen jedoch nicht relevant sein dürften.

Interessant für alle Sparer ist jedoch der sogenannte Sparer-Pauschbetrag. Was bis Ende 2008 noch als Kombination aus Freibetrag und Werbungskosten-Pauschbetrag bekannt war, dass fällt nun in der Summe zusammen. So fällt Abgeltungssteuer jetzt nur an, wenn die Zinserträge 801 Euro bei Alleinstehenden und 1602 Euro bei Ehepaaren übersteigen. Für die meisten Sparer fällt daher eigentlich keine Steuer an.

Da nur für Zinserträge höher als knapp 800, bzw. 1600 Euro die Kapitalertragsteuer anfällt, dürften die meisten Sparer erst einmal nicht betroffen sein. Das aber ergibt sich jedoch aus dem Begriff „Abgeltungssteuer“:

Die umgangssprachliche Bezeichnung als „Abgeltungsteuer“ findet seinen Hintergrund auf der Tatsache, dass oftmals die Banken bereits 25% des Kapitalertrags automatisch an das Finanzamt abführen. Die Steuer ist damit abgegolten und muss bei einer Einkommensteuererklärung – sofern notwendig oder gewollt – nicht mehr angegeben werden. Jedoch beachten die Banken den Pauschbetrag nicht. So wird auch dann schon Abgeltungssteuer bezahlt, obwohl diese noch gar nicht anfallen dürfte. Der Steuerpflichtige muss sich bei einer Unterschreitung des Pauschbetrags dann die zu Unrecht gezahlte Steuer aufwändig vom Finanzamt zurückholen. Glücklicherweise hat sich der Gesetzgeber hierfür aber auch eine Lösung einfallen lassen: Mit dem sogenannten Freistellungsauftrag.

Abgeltungssteuer mit Freistellungsauftrag verhindern

Um Sparer zu entlasten, die weniger als 800, bzw. 1600 Euro Zinsen im Jahr mit ihrem Geld auf Girokonto, Sparbuch, etc. verdienen, hat der Gesetzgeber den sogenannten „Freistellungsauftrag“ im Gesetz verankert. Der Steuerpflichtige kann mit diesem Freistellungsauftrag seine Bank beauftragen, die Steuer des Kapitalertrags – also 25% der Zinsen – nicht an das Finanzamt zu überweisen, sondern auf dem Konto zu verlassen.

Damit steht der Steuerpflichtige jedoch in der Pflicht, bei Überschreitung des Pauschbetrags die Höhe der Zinserträge selbst beim Finanzamt durch eine Steuererklärung zu melden. Wird der Pauschbetrag tatsächlich überschritten, so sind auch dann Steuern in Höhe von 25% fällig.

Abgeltungsteuer gilt für alle Finanzprodukte

Die Abgeltungsteuer (oftmals auch fälschlicherweise als Abgeltungssteuer bezeichnet) gilt für alle Finanzprodukte, die Privatleute bei Ihren Banken bekommen. Dazu zählt das Girokonto ebenso wie ein Festgeldkonto, ein Sparbuch oder Aktien. Auf alle Zinsen aus diesen Produkten wird die Steuer in Höhe von 25% fällig. Eine Befreiung von dieser Steuer gibt es nicht.

Achtung bei Gewerbe

Eine Besonderheit gibt es bei Kapitalerträgen/Zinsen, die aus einer „vorgeordneten“ Einkunftsquelle stammen. Gehört das angelegte Geld etwa zu einem Gewerbebetrieb, aus Land- und Forstwirtschaft, aus Vermietung oder aus selbstständiger Arbeit, so sind die Zinsen diesen Einkunftsarten zuzurechnen. Das bedeutet im Klartext: Vermieten Sie ein Haus und erhalten daraus Geld, das Sie dann gewinnbringend in Aktien investieren, so sind die Dividenden, Zinsen, etc. aus dieser Anlage der Einkommensart „Vermietung“ zuzurechnen. Dann wird auf die Zinsen nicht die 25%ige Abgeltungssteuer erhoben, sondern der normale Einkommensteuertarif. Die Steuerbelastung für Zinsen kann dann also auch deutlich höher als 25% liegen.

Bild: Gunnar Wrobel auf flickr, Lizenz

Über Adrian

Adrian ist der Gründer des Ratgebers artikelwissen.info.