Das Buch ist tot - Wirklich?

Das Buch ist tot – Wirklich?

Schon mehr als einmal wurde das Buch totgesagt: Neue Techniken, die Abwandlung des Menschen vom Gemütlichen, die Unhandlichkeit der dicken, schweren „Wälzer“.

Das Buch ist tot, lang lebe das Buch!

Doch es stellt sich – angesichts voller Buchhandlungen, vorallem zu Weihnachten – wieder einmal die Frage, ob das wirklich so ist. Ist das Buch tatsächlich ein Medium, das schon bald das Zeitliche gesegnet haben wird?

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Allen voran: Das Ebook

Niemand will mehr lesen, schon gar nicht mehr aus Bücher. Das ist die landläufige Meinung, die man an jeder Stelle zu hören bekommt.
Und nun schein das klassische Buch einen weiteren Feind zu haben, so scheint es: Der Ebook-Reader verdrängt das Buch aus den Wohnungen der Leser, fürchten da schon einige Verleger.

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Copy&Paste: Einfach bequemer

Mit Bachelor und Master lernen deutsche Studenten eigentlich viel weniger. Statt Freigeister in die Welt zu entlassen, führen die Universitäten das Konzept der Schule weiter: Powerlearning und Abschlussklausuren; Das alles bei einer enorm hohen Arbeitsbelastung der Studenten.

Und weil die nun keine Zeit mehr haben, wird kopiert, bist der Rechner brennt. Statt Bücher zu lesen und den Geist zu bilden, wird im Internet die passende Passage gesucht, in die Hausarbeit kopiert. Copy&Paste heißt dieses Phänomen, das Studenten landläufig nachgesagt wird.

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Niemand will mehr lesen

Das Buch hat seine Bedeutung verloren, findet die Unterhaltung der breiten Massen doch zunehmend durch Internet und Fernsehen statt.
Wer liest denn überhaupt noch? Es sind die Akademiker dieses Landes und deren Kinder. Aber auch diese Bevölkerungsschicht wendet sich immer mehr vom gedruckten Wort ab.

Das Internet ist die bessere Alternative

Lesen? Wozu?
Schließlich bietet auch das Internet die gleiche – wenn nicht sogar eine größere – Informationsfülle.

Rezeptbücher braucht kein Mensch: Das Internet bietet eine größere und ausgefallenere Auswahl mit ebenso schönen Bildern und genauen Zutatenangaben.

Informationen zu einem bestimmten Thema? Wozu ein Buch kaufen, es gibt doch das Internet.
In Zeiten von Wikipedia wird schon das Richtige irgendwo zu finden sein.

Geschichten und Romane, die mitfesseln lesen? Warum das denn?
Auf Youtube und Co. werde ich doch viel besser unterhalten.

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Das Buch wird immer wieder totgesagt. Aber nichts ist dran, an diesen Weisheiten.

Das überschätzte Ebook

Umfrage: Ebook tauschen?

Umfrage: Ebook tauschen?

Der Ebook-Reader trat an, das klassische Buch zu verdrängen.
Aber die deutschen Verbraucher? Sie reagieren so, wie es die Industrie nicht gern hat: Sie begegnen dem neuen Medium mit Skepsis.

Und das hat auch Gründe.
Zwar kommt die neue Display-Technologie, die sogenannte „E-Ink“, echten gedruckten Seiten in der Darstellung sehr nah. Aber das Umblättern dauert mitunter ewig.

Und dann ist da noch die Sache mit den Preisen: Die Verlage nutzen auch bei den neuen Ebooks den – für sie – sehr angenehmen Effekt der Buchpreisbindung: Ein Ebook ist genauso teuer wie das gedruckte Exemplar.
Mit dem einzigen Unterschied, dass die Herstellungskosten für den Verlag viel geringer sind. Der Nutzer erhält nur eine Datei, die dann auch noch kopiergeschützt ist. Verabschiedet sich einmal die Festplatte, so ist das Buch auch gleich weg. Das kann bei gedruckten Büchern nicht passieren.

Und auch die Buchauswahl ist mehr als schlecht.
Während es auf dem amerikanischen Markt – vorallem dank Amazons „Kindle“ – tausende Bücher bereits im elektronischen Format gibt, sieht es auf dem deutschen Markt noch sehr düster aus. Längst nicht alle Printausgaben sind auch für den Ebook-Reader vorhanden.

Das alles bei Anschaffungskosten für den Reader von mindestens 100,- EUR.

Bild: Copyright Hessischer Rundfunk / Verlag heise, 2010 (Screenshot)

Das Buch in der Neuzeit

Und noch eine Annahme ist nicht so ganz richtig. Das Buch und die Buchhändler arbeiten stark daran, das verstaubte Image abzulegen.
Großen Anteil haben daran – auch wenn mit ihnen eine Verschlechterung der Einkaufswelt einhergeht – die großen Verlagsketten wie „Thalia“ oder „Hugendubel“.

Sie machen Lesen zum Happening und haben den Spagat zwischen Tradition und Moderne geschafft.
Anders als in anderen Buchhandlungen kann man hier das Buch lesen, bevor man es kauft. Dazu wird ein Kaffee serviert.
Der Besuch der Buchhandlung wird zum Ruhepol einer stressigen Shoppingtour.

Und von diesem Konzept lassen sich immer mehr Menschen mitreißen.

Der Umsatz steigt

Auch im Jahr 2010 bleibt das Buch eines der beliebtesten Geschenke zu Weihnachten. Nicht nur davon profitiert der Handel.

Nach einer schweren Durststrecke Ende der Neunziger, Anfang 2000 machen die Verlagshäuser und Buchhandlungen nun wieder satte Gewinne. Seit Jahren steigt der Umsatz wieder, ein Ende ist noch nicht abzusehen.

Zu verdanken ist das vorallem verschiedenen „gehypten“ Jugendromanen, allen voran Werke wie „Harry Potter“ und „Twilight“.
Das Buch wird wieder cool, die Beliebtheit steigt auch bei Jugendlichen wieder.
Zudem dürfen Bücher endlich wieder lustig sein. Ob Charlotte Roche mit „Feuchtgebiete“ oder „Entschuldigung, sind Sie die Wurst?“: Angesprochen werden nun auch Themen, die belustigen oder bislang einem gesellschaftlichen Tabu unterlagen.

Zitierfähig

Auch wenn das Internet Informationen zu jedem Thema bietet, so hat es – besonders für den wissenschaftlichen Bereich – doch einen schwerwiegenden Nachteil: Es ist nicht – bzw. nur begrenzt – zitierfähig.

Jeder Student, der heute noch Hausarbeiten, Bachelorarbeiten oder Dissertationen schreibt, muss – daran führt kein Weg vorbei – in Bücher schauen. Wer zitieren will, der muss das aus anerkannter Fachliteratur tun. Und diese Fachliteratur gibt es im Internet nur manchmal als Fachaufsatz. Doch aus Wikipedia zu zitieren ist nicht wissenschaftlich und würde zwangsläufig zu einem „Durchgefallen“ führen.

Besonders in der Fachwelt hat das Buch immer noch die enorme Bedeutung, die es schon vor Jahrzehnten hatte. Und daran wird sich auf Dauer auch nichts ändern.

Das Buch ist tot: Nicht!

Das Buch ist nicht tot, auch wenn Medien und Meinungsführer, Verlagschefs und „Media-Consultants“ immer wieder behaupten.
Das Buch hat seine Daseinsberechtigung, daran wird sich in naher Zukunft auch nichts ändern.

Auch wenn sich – dank Internet – die Gesellschaft in einem Umbruch befindet, das Buch wird niemals zu ersetzen sein.

Bild: Jixar auf flickr, Lizenz

Über Adrian

Adrian ist der Gründer des Ratgebers artikelwissen.info.