Fallen im Internet

Die schlimmsten Fallen im Internet

Im Netz lauern tausende Fallen darauf, ahnungslosen Surfern das Leben schwer zu machen. Nicht selten gehen mit diesen Fallen hohe finanzielle Forderungen einher. Dabei hat der Surfer vielleicht gar nichts falsch gemacht.

Doch nicht immer muss man auch zahlen.

Bild: Nicu Buculei auf flickr, Lizenz

Musik und Filme: Nicht immer rechtefrei und kostenlos

Abmahnung wegen Urheberrechtsverletzung bei Musik

Abmahnung wegen Urheberrechtsverletzung bei Musik

Was zu Beginn des Massenmediums Internet noch ein weit verbreiteter Volkssport war, das wird mehr und mehr zur Gefahr auch unbescholtener Bürger: Das illegale Tauschen von urheberrechtlich geschützter Medien wie Musik oder Filme. Zu tausenden findet man sie in Tauschbörsen oder bei Dateihostern überall im Internet.

Die meisten Nutzer solcher Angebote gehen davon aus, dass man sie nie fassen wird. Doch das ist ein großer Irrtum. Die Musik- und Filmindustrie geht mittlerweile massiv gegen Tauschbörsenteilnehmer vor und verschickt massenhaft Abmahnungen. Während man für ein getauschtes Lied neben einer rechtsbewährten Unterlassungserklärung 500,- EUR zu zahlen hat, sind es bei Filmen häufig schon 1.000,- EUR oder mehr. Solche Abmahnungen sind für echte Urheberrechtsverletzungen auch durchaus gerechtfertigt.

Unberechtigt abgemahnt?

Doch hat die Sache einen Haken: Längst haben Zeitschriften (etwa die „c’t“) herausgefunden, dass ein Großteil der verschickten Abmahnungen zu Unrecht verschickt wurde. Da bekommt eine alleinerziehende Mutter von 2 Söhnen eine Abmahnung über 1.2000 Euro, ein 80-jähriger Renter soll 500 Euro zahlen, weil er Shakira heruntergeladen haben soll – Obwohl er nachweislich im Urlaub war.

Die Anwälte der Musik- und Filmindustrie legen unerfahrenen Richtern Beweise vor, die eindeutig sein sollen. Und unerfahrene Richter genehmigen dann auch schnell mal die Ermittlung des IP-Adressen-Inhabers. Dass es bei der Übermittlung der IP-Adresse wohlmöglich zu Fehlern gekommen ist und der Beschuldigte vollkommen zu Unrecht beschuldigt wird, bleibt dann häufig außer Acht.

Wer eine Abmahnung bekommt und sich zu Unrecht beschuldigt fühlt, der hat im Grunde zwei Möglichkeiten.

Entweder zahlt er die Forderung der abmahnenden Kanzlei und hofft dann Ruhe zu haben und nicht mehr belangt zu werden.

Oder aber man geht gegen die Abmahnung vor. Dann gilt es, sich einen Fachanwalt zu suchen und mit diesem das weitere Vorgehen abzustimmen. Wichtig ist in einem solchen Fall vor allem das schnelle Reagieren. Aber Achtung: Die meisten Rechtsschutzversicherungen zahlen in einem solchen Fall nicht. Bis zum Ausgang des Verfahrens – das oftmals vollkommen offen ist – müssen Sie dann alle Kosten selbst tragen.

Bild: Thomas auf flickr, Lizenz

Urheberrechtsverletzungen auf der eigenen Homepage

Doch lauert die Gefahr einer Abmahnung nicht nur beim illegalen Tausch urheberrechtlich geschützter Musik oder Filme. Auch Homepagebetreiber und Blogger werden immer häufiger Empfänger von Abmahnungen. Denn auch bei der Aufbereitung der eigenen Internetseite kann viel schief gehen.

So unterliegen vor allem junge und unerfahrene Blogger dem Irrglauben, dass alles im Internet veröffentlichte Material ungefragt weiter verbreitet werden darf. Bilder und Texte sind nie urheberrechtsfrei (abgesehen von solchem Material, das „gemeinfrei“ ist, deren Urheber also länger als 70 Jahre lang tot ist) und die Verwendung solcher Informationen auf der eigenen Homepage bedarf der vorherigen Rechteklärung.

Möglich sind Abmahnungen im Prinzip bei allen Werken, egal ob Bild, Ton oder Text. Verwendet werden darf nur, was einer bestimmten Lizenz (nämlich der zur Weiterverbreitung, ggf. auch Abänderung) unterliegt. Als besonders verständlich hat sich dabei „Creative Commons“ erwiesen und immer mehr Fotografen, Texter, etc. machen mit. Bei dieser Lizenzform ist dem Nutzer meist mit einem Klick klar, wie er das gewünschte Werk verwenden darf.

Finger weg bei Werken ohne Angabe

Hat ein Werk keine Lizenzangabe, so sollten Blogger die Finger davon lassen. Zu viele Anwaltskanzleien und dubiose Firmen haben das Geschäft mit der Abmahnungen längst als unglaublich lukrativen Geschäftszweig entdeckt.

Am eindruckvollsten ist hier wohl das bekannte Beispiel eines weniger bekannten Online-Kochbuchs. Statt sich über die Verwendung der veröffentlichen Bilder zu freuen, wurden an ahnungslose Webmaster tausendfach Abmahnungen verschickt, die die branchenüblichen Forderungen weit überschritten. Und dieses Geschäft mit den Abmahnungen blüht noch immer.

Im Zweifel kaufen

Wer für ein passendes Bild keine Lizenz- und Urheberangabe findet, der sollte auf die Verwendung verzichten und besser eine Lizenz von einem Bilderportal wie Fotolia kaufen. Für bereits wenige Cent- und Eurobeträge gibt es dort gute Bilder, die entsprechend der Lizenz ein- oder mehrfach im Netz, aber auch in Printerzeugnissen genutzt werden dürfen.

Urheber und Lizenz angeben

Wer geschützte Texte oder Bilder auf der eigenen Homepage verwenden will, der sollte – schon allein der Fairness wegen – auch alle notwendigen Angaben zu Urheber und Lizenz machen. Dieses Verfahren ist häufig (etwa bei „Creative Commons“) in den Lizenzbedingungen sogar vorgeschrieben.

Ein kleiner Hinweis – der Urheber, Link zum Werk und Lizenz umfasst – unter dem Bild, dem Text oder am Ende der Internetseite reicht vollkommen aus, um sich vor Abmahnungen zu schützen.

Abofallen: Abzocke im Netz

Abofalle

Abofalle

Wohl ein jeder hat sich schon mindestens einmal gesehen: Die klassische Abofalle. Denn wer nach Routenplanern, Mitfahrgelegenheiten, Outlet-Adressen, kostenlosen Downloads, Rezepten – um nur einiges zu nennen – sucht, der wird einer solchen Abofalle schon einmal begegnet sein.

Für Dienste, die es im Internet zu Hauf kostenlos gibt, soll man bei Abofallen plötzlich die eigene Adresse angeben und sich für den Dienst registrieren. Was die meisten Menschen dabei übersehen – oder auf Landingpages teilweise gar nicht sehen können – ist der Kostenhinweis. Häufig werden für einen Jahreszugang 96,- EUR fällig, zwei Jahre läuft der vermeintliche Vertrag dann.

Und damit die Betreiber der Abofallen auch an ihr Geld kommen, wird gemahnt und gedroht, Anwälte und Inkassounternehmen verstärken diese Drohungen und weil die meisten „Kunden“ sich wohl am meisten vor einem SCHUFA-Eintrag fürchten, wird gezahlt. Dabei ist das nur in den wenigsten Fällen notwendig.

Oft kein Vertragsschluss

Denn: Wird bei einem Vertragsabschluss nicht ausreichend auf die entstehenden Kosten hingewiesen, so ist gar kein Vertrag zustande gekommen. Anbieter und Nutzer haben sich dann nicht „konkludent“ verhalten: Beide Parteien versprachen sich vom Vertragsschluss etwas vollkommen anderes. Nur Nutzer, die den Kostenhinweis wahrgenommen haben und bewusst einen Zweijahresvertrag schließen wollten, bei dem sie dann 200 Euro Gebühr zu entrichten haben, haben tatsächlich auch einen Vertrag mit dem Abo-Anbieter geschlossen.

Gegen Abofallen zur Wehr setzen

Wer eine unberechtigte Forderung einer Abofalle erhält, der sollte zunächst einmal ganz ruhig bleiben und auf die Drohungen gelassen reagieren. Haben Sie keinen kostenpflichtigen Vertrag geschlossen, so zahlen Sie auch nicht!

Die Drohungen von Anwälten, Inkassounternehmen oder die Androhung eines SCHUFA-Eintrags können Sie geflissentlich ignorieren. Interessante Randbemerkung: Die Abofallen-Betreiber drohen immer wieder mit der SCHUFA. Die SCHUFA aber hat unlängst darauf hingewiesen, dass es gar keinen Vertrag zwischen Abofallen und SCHUFA gebe.

Zahlen Sie trotz Mahnungen und Drohungen also nicht und setzen Sie sich zur Wehr! Aber nur einmal. So bietet etwa die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg einen Musterbrief an, mit dem Betroffene den Forderungen einmalig widersprechen sollten.

Nicht mehr reagieren

Danach sollten Sie zwar alle Unterlagen und eingehenden Drohungen gut aufheben, aber nicht weiter auf diese Schreiben reagieren. Erst bei einem Mahnbescheid vom Amtsgericht müssen Sie wieder aktiv werden.

Die Politik wird aktiv

Nach Jahren der Verbrauchertäuschungen wird nun auch endlich die deutsche Bundesregierung tätig und will mit einer sogenannten „Button-Lösung“ – wie sie etwa seit Jahren in Frankreich etabliert ist – Abhilfe schaffen: Vor Abschluss eines Vertrags muss dann der Verbraucher über alle tatsächlich entstehenden Kosten informiert werden.

Bild: Jeremy Noble auf flickr, Lizenz

Smartphonebesitzer aufgepasst: „App-Zocke“

Mit dem Smartphone abgezockt

Mit dem Smartphone abgezockt

Ein ganz neues Geschäftsmodell haben dubiose Geschäftemacher nun mit den so beliebten Smartphones gefunden. Häufig in kostenlosen Apps integriert, sind Werbebanner zu finden, die die tollsten Möglichkeiten versprechen. Was der Nutzer nicht weiß: Häufig ist der Vertrag schon mit einem einfachen Druck auf den Werbebanner geschlossen.

Möglich macht das das sogenannte WAP-Billing. Über den längst veralteten WAP-Standard wird automatisch die Nutzerkennung an den Dienstanbieter übermittelt, der damit beim Mobilfunk-Provider die Abrechnungsinformationen ermitteln kann. Das alles geschieht in tausendstel Sekunden und der betroffene Smartphone-Nutzer bekommt davon nichts mit. Er erhält keine AGB, die Widerrufsbedingungen kann er nicht einsehen. Nur eine – oftmals als Werbung missverstandene – SMS informiert über den Vertragsschluss.

Gegen Forderungen wehren

Auch hier sollten sich betroffene Nutzer gegen die unberechtigten Forderungen – Mitgliedsbeiträge werden nämlich gleich mit der Mobilfunkrechnung abgerechnet – zur Wehr setzen.

Die Sache hat allerdings einen Haken: Oftmals werden diese dubiosen Geschäfte über viele Tochterfirmen und Muttergesellschaften abgewickelt, sodass man den tatsächlichen Übeltäter nur schwer aufspüren kann. Bei Problemen sollten sich Betroffene schnellstmöglich an die Bundesnetzagentur wenden oder ggf. direkt Anzeige erstatten.

Karte gesperrt

Zweifelsohne verdienen auch die Mobilfunkprovider an diesem Geschäftsmodell mit und lassen sich daher nur ungern in die Karten schauen. Aber viel schlimmer noch: Zahlen Betroffene nur den unstrittigen Teil der Mobilfunkrechnung ist häufig binnen weniger Tage die SIM-Karte gesperrt. Telefonate können dann nur noch erfolgen, wenn die strittige Summe an den Provider überwiesen wurde.

Dritt-Anbieter sperren

Wer vor Abzocke mit Smartphone-Apps geschützt sein will, der lässt am besten Dritt-Anbieter in seinem Vertrag sperren. Unberechtigte Forderungen sind dann nicht mehr möglich. Problematisch hierbei: Auch vertrauenswürdige Anbieter verwenden das WAP-Billing für echte Dienstleistungen. Werden Dritt-Anbieter komplett gesperrt, sind dann etwa auch Fahrkartenkäufe bei der Bahn mit dem Handy nicht mehr möglich.

Bild: chrissatchwell auf flickr, Lizenz

Über Adrian

Adrian ist der Gründer des Ratgebers artikelwissen.info.